Ein idyllischer Bergsee, umgeben von unberührter Natur, der zum Wandern und Verweilen einlädt – das ist der Glaswaldsee im mittleren Schwarzwald. Wie ein schwarzes Auge blickt er aus dem dichten Wald hervor und verzaubert jeden Besucher mit seiner mystischen Atmosphäre. Dieser wildromantische Karsee ist nicht nur ein Naturschauspiel, sondern auch ein Ort voller Geschichte und Sagen, der Naturliebhaber aus nah und fern anzieht.

Der Glaswaldsee aus der Vogelperspektive – ein verstecktes Paradies
Die faszinierende Entstehungsgeschichte des Glaswaldsees
Der Glaswaldsee ist ein beeindruckendes Relikt der letzten Eiszeit. Vor Jahrtausenden hobelten gewaltige Gletscher diesen Karsee aus dem Buntsandstein heraus und schufen dabei eine der schönsten Naturkulissen des Schwarzwalds. Mit einer Tiefe von bis zu 11 Metern und einer Fläche von etwa 3 Hektar liegt er auf 839 Metern Höhe in einem Kar am steilen Osthang der Lettstädter Höhe (966,7 m ü. NHN).
Der See hat einen Durchmesser, der zwischen 170 und 220 Metern variiert und wird von bis zu 120 Meter hohen, steilen Karwänden umrahmt. Diese imposanten Felswände sind teilweise mit urwaldartigem Bewuchs bedeckt und beherbergen reiche Moos- und Flechtengesellschaften, die dem Gebiet einen ganz besonderen Charakter verleihen.
Woher kommt der Name Glaswaldsee?
Der heutige Name geht auf eine Glashütte zurück, die 1587 im Seebachtal errichtet wurde. Hier stellte man Glasflaschen her, insbesondere für das berühmte Rippoldsauer Heilwasser. Da die Glasproduktion enorme Mengen an Holz verschlang und zu erheblichen Kahlschlägen führte, wurde die Hütte im 18. Jahrhundert geschlossen. Zuvor trug der See den Namen „Wilder See“ – ein Name, der seine unberechenbare Natur widerspiegelte.
Ein Naturschutzgebiet von besonderer Schönheit
Seit 1960 ist der Glaswaldsee Teil eines 123,26 Hektar großen Naturschutzgebietes. Aufgrund seiner Unberührtheit zählt er zu den herrlichsten „klaren blauen Augen“ des Schwarzwalds – wobei das Wasser paradoxerweise eine dunkle, fast schwarze Färbung aufweist. Diese charakteristische Farbe entsteht durch den Untergrund aus Buntsandstein und einen hohen Gehalt an Huminstoffen.

Die romantische Schutzhütte lädt zum Verweilen ein
Eine Besonderheit des Glaswaldsees ist das Fehlen typischer Verlandungszonen mit Schwingrasen oder Röhrichten, wie sie bei anderen Karseen des Schwarzwalds üblich sind. Dies liegt an der früheren Nutzung für die Flößerei, die ein häufiges Aufstauen und Ablassen des Wassers erforderte. Noch heute ist der Wasserspiegel durch eine Sandsteinmauer angehoben, die nach einer verheerenden Flutkatastrophe im Jahr 1743 errichtet wurde.
Die dramatische Geschichte von 1743
Im Frühjahr 1743 ereignete sich eine Katastrophe, die bis heute in Erinnerung geblieben ist. Nach einer raschen Schneeschmelze staute sich eine gewaltige Wassermenge hinter dem natürlichen Wall des Sees auf. Der Damm hielt dem enormen Druck nicht stand und brach. Der See lief schlagartig aus, und die entstehende Flutwelle zerstörte im Seebachtal mehrere Bauernhöfe und riss auch Bewohner mit sich. Nach dieser Tragödie wurde 1843 der gebrochene Karriegel mit einer Mauer verschlossen, die bis heute den Wasserstand reguliert.
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Die schönsten Wanderungen zum Glaswaldsee
Der Glaswaldsee ist nur zu Fuß erreichbar – und genau das macht seinen besonderen Reiz aus. Es gibt verschiedene Wanderwege, die dich zu diesem Naturjuwel führen, von kurzen Familienwanderungen bis zu anspruchsvollen Tagestouren.
Die kürzeste Route: Vom Wanderparkplatz Glaswald
Die beliebteste und kürzeste Variante startet am Wanderparkplatz Seeloch in Glaswald. Von hier aus erreichst du den See in etwa 20-30 Minuten, musst dabei aber rund 200 Höhenmeter überwinden. Der Weg führt über breite, gut ausgebaute Forstwege stetig bergauf – ideal für Familien mit älteren Kindern. Beachte: Der Parkplatz ist gebührenpflichtig (2 Euro Tagesticket) und besonders an Wochenenden oft überfüllt.

Der Weg zum See führt durch märchenhafte Wälder
Weitere Wanderoptionen
Vom Mülbensattel (ca. 1 Stunde): Eine schöne Alternative für alle, die etwas länger wandern möchten. Der Wanderparkplatz Mülbensattel liegt etwa 3 km von Bad Peterstal entfernt. Von hier führt der Weg über die Lettstädter Höhe zum Glaswaldsee.
Von Bad Peterstal-Griesbach (ca. 1,5 Stunden): Diese anspruchsvolle Route überwindet etwa 400 Höhenmeter und führt über den Höhenweg. Unterwegs kannst du auch die Griesbacher Wasserfälle besuchen – eine perfekte Tagestour für konditionsstarke Wanderer.
Über den Westweg: Der berühmte Fernwanderweg von Pforzheim nach Basel führt direkt am Glaswaldsee vorbei. Von der Alexanderschanze sind es etwa 13 Kilometer mit geringeren Höhenunterschieden – ideal für eine ausgedehnte Wanderung.
Rund um den Glaswaldsee: Ein unvergessliches Naturerlebnis
Die Umrundung des Sees ist ein besonderes Erlebnis und dauert etwa 45-60 Minuten. Der etwa 3 Kilometer lange Rundweg führt teils über breite Wege, teils über schmale, wurzelige Pfade direkt am Ufer entlang. Besonders beeindruckend ist der Kontrast zwischen den ruhigen Wasserflächen und den steilen, bewaldeten Karwänden.

Wanderer hinterlassen ihre kreativen Steinmännchen
Unterwegs findest du zahlreiche Ruhebänke und Rastplätze, die zum Verweilen einladen. Die kleine Schutzhütte am Seeufer bietet einen wunderbaren Blick über das dunkle Wasser. Viele Besucher nutzen die Gelegenheit, um Steinmännchen zu bauen oder einfach die Stille zu genießen.
Der Glaswaldseeblick – Ein Aussichtspunkt der Extraklasse
Etwa 120 Meter über dem See, auf der Lettstädter Höhe, befindet sich der Aussichtspunkt „Glaswaldseeblick“. Von hier aus hast du einen atemberaubenden Blick auf den Karsee, der wie ein dunkles Auge aus dem Wald hervorblickt. Der Aufstieg lohnt sich besonders am frühen Morgen, wenn sich die umliegenden Berge im stillen Wasser spiegeln und Nebelschwaden über der Oberfläche tanzen.
Tipp für Fotografen
Die beste Zeit für spektakuläre Fotos ist der frühe Morgen oder späte Nachmittag. Dann taucht das weiche Licht die Karwände in warme Farben und der See zeigt sich von seiner mystischsten Seite. Besonders im Herbst, wenn sich das Laub färbt, entstehen hier magische Aufnahmen.
Baden im Glaswaldsee – Erfrischung für mutige Wanderer
Obwohl der Glaswaldsee kein offizieller Badesee ist, nutzen viele Besucher im Sommer die Gelegenheit für ein erfrischendes Bad. Das dunkle, moorige Wasser ist aufgrund seiner Huminstoffe besonders weich und hautfreundlich. Allerdings solltest du bedenken, dass das Wasser selbst im Hochsommer selten über 20 Grad warm wird – eine echte Erfrischung nach einer schweißtreibenden Wanderung!
Wichtig: Als Naturschutzgebiet gelten hier besondere Regeln. Grillen, Zelten und Lagerfeuer sind strikt verboten. Nimm deinen Müll wieder mit und respektiere die Natur – nur so bleibt dieser besondere Ort für kommende Generationen erhalten.

Winterzauber am Glaswaldsee – ein Traum in Weiß
Der Glaswaldsee im Wandel der Jahreszeiten
Jede Jahreszeit verleiht dem Glaswaldsee einen ganz eigenen Charme. Im Frühling, wenn die ersten grünen Blätter sprießen und die Natur erwacht, zeigt sich der See von seiner lebendigen Seite. Die Vögel zwitschern, und mit etwas Glück kannst du sogar Rehe am Ufer beobachten.
Der Sommer lockt mit angenehmen Temperaturen zum Baden und Wandern. Die dichten Wälder spenden Schatten, und der See bietet eine willkommene Abkühlung. Im Herbst verwandelt sich die Umgebung in ein Farbenmeer aus Gold, Rot und Braun – die perfekte Kulisse für unvergessliche Wanderungen.
Besonders märchenhaft präsentiert sich der Glaswaldsee im Winter. Wenn Schnee die Karwände bedeckt und der See teilweise zufriert, herrscht eine fast unwirkliche Stille. Die verschneiten Tannen und das dunkle Wasser schaffen eine Atmosphäre wie aus einem Wintermärchen.
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Sagen und Mythen rund um den Glaswaldsee
Wie viele mystische Orte im Schwarzwald ranken sich auch um den Glaswaldsee zahlreiche Sagen und Geschichten. Die bekannteste erzählt von den „Seemännlein“ – kleinen Wesen, die im See leben sollen. Der Volksschriftsteller Heinrich Hansjakob beschrieb den Glaswaldsee als „wohl den kleinsten, aber feinsten Bergsee des Schwarzwaldes“ und trug mit seinen Erzählungen zur Mystifizierung des Ortes bei.
Eine andere Sage berichtet von einem unterirdischen Gang, der den Glaswaldsee mit anderen Karseen des Schwarzwalds verbinden soll. Fischer wollen beobachtet haben, wie markierte Forellen, die im Glaswaldsee ausgesetzt wurden, plötzlich in anderen Seen auftauchten. Wissenschaftlich lässt sich das natürlich nicht belegen, aber es trägt zum geheimnisvollen Charakter des Sees bei.
Restaurant-Tipp für hungrige Wanderer
Nach einer ausgiebigen Wanderung zum Glaswaldsee hast du dir eine ordentliche Stärkung verdient. Mein Tipp ist das Hotel Restaurant Ochsenwirtshof in Bad Rippoldsau-Schapbach. Hier erwarten dich frische, regionale Küche mit wechselnden saisonalen Spezialitäten in gemütlicher Schwarzwaldatmosphäre. Besonders empfehlenswert sind die Wildgerichte und die frische Schwarzwaldforelle. Das familiengeführte 3-Sterne-Superior-Hotel liegt direkt am Waldrand im wildromantischen Wolftal und bietet von der Restaurant-Terrasse einen herrlichen Blick ins Grüne (Wolfacher Str. 21, 77776 Bad Rippoldsau-Schapbach, www.ochsenwirtshof.de).

Wie aus dem Bilderbuch – die Hütte am Glaswaldsee
Weitere Sehenswürdigkeiten in der Umgebung
Die Region um den Glaswaldsee hat noch viel mehr zu bieten. Nur wenige Kilometer entfernt findest du weitere lohnenswerte Ausflugsziele:
Der Burgbachwasserfall: Einer der höchsten frei fallenden Wasserfälle des Schwarzwalds liegt ebenfalls bei Bad Rippoldsau-Schapbach. Ein gut ausgebauter Wanderweg führt zu diesem Naturschauspiel. Mehr dazu >>

Der Alternative Wolf- und Bärenpark: In diesem Tierschutzprojekt haben gerettete Bären und Wölfe ein neues Zuhause gefunden. Ein Besuch lässt sich perfekt mit einer Wanderung zum Glaswaldsee kombinieren.
Bad Peterstal-Griesbach: Der Kurort bietet nicht nur Ausgangspunkte für Wanderungen, sondern auch heilkräftige Mineralquellen und einen wunderschönen Kurpark.
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Tipps für deinen Besuch am Glaswaldsee
Damit dein Ausflug zum Glaswaldsee zu einem unvergesslichen Erlebnis wird, habe ich hier die wichtigsten Tipps für dich zusammengestellt:
Die beste Besuchszeit: Vermeide Wochenenden und Feiertage, wenn du die Ruhe genießen möchtest. Unter der Woche und bei wechselhaftem Wetter hast du gute Chancen, den See fast für dich alleine zu haben. Besonders schön ist es am frühen Morgen oder späten Nachmittag.
Ausrüstung: Festes Schuhwerk ist ein Muss! Die Wege können besonders nach Regen rutschig sein. Pack auch eine kleine Brotzeit und ausreichend Wasser ein – am See gibt es keine Einkehrmöglichkeit.
Naturschutz beachten: Der Glaswaldsee liegt in einem Naturschutzgebiet. Bleib auf den markierten Wegen, nimm deinen Müll wieder mit und störe die Tiere nicht. Hunde sollten angeleint bleiben.
Wetter im Blick behalten: Das Wetter im Schwarzwald kann schnell umschlagen. Eine Regenjacke sollte immer im Rucksack sein. Bei Gewitter solltest du den See meiden – die exponierten Lagen können gefährlich werden.
Historische Bedeutung und wissenschaftliche Besonderheiten
Der Glaswaldsee hat auch wissenschaftshistorische Bedeutung: Er war einer der ersten Seen des Schwarzwalds, die trigonometrisch vermessen und kartografiert wurden. 1655 beauftragte Landgraf Friedrich Rudolf von Fürstenberg-Stühlingen den Basler Pfarrer Jakob Mentzinger mit der Vermessung seines Herrschaftsgebietes. Mentzinger war von dem See so beeindruckt, dass er ihn detailliert vermaß und kartierte.
1898 wurde dann auch die Tiefe des Sees wissenschaftlich ermittelt. Professor Dr. Wilhelm Halbfaß, ein renommierter Hydrogeograph, lotete den Karsee von einem kleinen Floß aus und stellte die maximale Tiefe von 11 Metern fest. Die durchschnittliche Tiefe berechnete er mit 4,2 Metern.
Geologisch interessant ist auch die Tatsache, dass der Glaswaldsee durch unterirdische Wasserzutritte gespeist wird. Sein oberirdisches Einzugsgebiet umfasst nur etwa 190 Hektar – ohne die künstliche Zuleitung aus dem obersten Seebach würde der See vermutlich deutlich weniger Wasser führen.
Fakten und Besuchertipps
Adresse: Glaswaldsee, 77776 Bad Rippoldsau-Schapbach (Der See selbst hat keine Straßenadresse, liegt aber im Naturschutzgebiet zwischen Bad Rippoldsau-Schapbach und Bad Peterstal-Griesbach)
Anfahrt mit dem Auto: Von Bad Peterstal-Griesbach ca. 15 km Richtung Bad Rippoldsau-Schapbach. In der Ortschaft Glaswald links abbiegen (Wegweiser „Glaswaldsee 5 km“) und durch eine kleine Wohnsiedlung zum Wanderparkplatz Seeloch fahren.
Parken: Wanderparkplatz Glaswald/Seeloch (gebührenpflichtig: 2 Euro Tagesticket, auch sonntags und feiertags). Alternative Parkplätze: Mülbensattel bei Bad Peterstal oder Kniebis (längere Wanderung).
Öffentliche Verkehrsmittel: Der Glaswaldsee ist leider nicht direkt mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. Nächste Bushaltestellen sind in Bad Rippoldsau-Schapbach oder Bad Peterstal-Griesbach, von dort aus längere Wanderung erforderlich.
Öffnungszeiten: Das Naturschutzgebiet ist ganzjährig frei zugänglich. Beste Besuchszeiten: Früh morgens oder spätnachmittags für die schönste Stimmung.
Eintrittspreise: Der Besuch des Glaswaldsees ist kostenlos. Nur die Parkgebühren fallen an.
Insider-Tipp: Wer absolute Ruhe sucht, sollte den See unter der Woche bei bedecktem Himmel besuchen. Dann habt ihr dieses Naturjuwel oft ganz für euch allein. Der Aufstieg zum Glaswaldseeblick lohnt sich besonders bei klarem Wetter – von dort habt ihr einen spektakulären Blick über den gesamten See und die umliegenden Schwarzwaldberge.
Offizielle Webseite: www.bad-rippoldsau-schapbach.de
Google Maps: Auf Google Maps ansehen
Der Glaswaldsee ist und bleibt eines der faszinierendsten Naturschauspiele des Schwarzwalds. Ob du die Ruhe suchst, dich für Geschichte interessierst oder einfach nur in der Natur wandern möchtest – dieser mystische Bergsee wird dich verzaubern. Pack deine Wanderschuhe ein und mach dich auf den Weg zu diesem besonderen Ort. Die Anstrengung des Aufstiegs wird mit unvergesslichen Eindrücken belohnt, die noch lange in deiner Erinnerung bleiben werden.








